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Eine radikale Poetin

Inga Sempé ist ein anerkannter und erfolgreicher Star unter den Designern. Trotz oder wegen ihrer – nicht nur gestalterischen – Kompromisslosigkeit. Berufstätige Frauen haben in Paris ohnehin einen hohen Stellenwert.

Inga Sempé arbeitet und lebt in einer kleinen Passage in der Nähe des Pariser Bahnhofs Gare de l’Est. Ihr Designstudio im Erdgeschoss, die Wohnung darüber. Die 48-Jährige lebt hier mit ihrem Mann, Ronan Bouroullec – der mit seinem Bruder Erwan der Einfachheit halber „The Bouroullec Brothers“ genannt wird. Mit einer zwei Meter hohen Variante der Leuchte "Lamp" für Moustache, im Jahr 2000 für Cappellini entwickelt, begann ihr Ruhm. „Ooch, die Lampe war reiner Zufall! Nähmaschine und Papier waren das Einzige, was ich damals zur Hand hatte. Hätte ich einen Standbohrer gehabt, hätte ich vielleicht eine gelöcherte Metallsäule gemacht“, erzählt Sempé. Zu den Dingen, die sie – sich mit Genuss sträubend – nicht ausstehen kann, gehören nicht nur „PVC-Fenster mit Rollokästen, die besonders in Nordeuropa das Stadtbild verunstaltet haben!“, sondern erstaunlicherweise auch „Museen und Galerien“ und: „Die Ästhetik der Sechziger/Siebziger. Puh, dieses ganze Orange und Braun, dieser Farbschleim auf den Tellern und Krügen.“ Dagegen liebt sie Familienbetriebe, wie es Möbelhersteller häufig noch sind, das Können, das Handwerk, das Machen und Anpacken lassen. Zu den Objekten, die Inga Sempé gerne gestalten würde, zählen: „Die Bushaltestellen in Paris, bei denen immer noch der Stil des 19. Jahrhunderts neu interpretiert wird. Hyperkitschig!“ Außerdem „Handwerkszeug, obwohl sich der Hammer seit Jahrhunderten nicht verbessern lässt, da alles eine Frage der Gewichtsverteilung ist. Respekt!“ Ihr klarer Hass-und-Liebe-Radikalismus, ihre frische, freche Art sind der Schlüssel zu ihren einfachen, perfekten, schnörkellosen Designs. Ihre Welt ist radikal-poetisch, ohne Zugeständnisse. Eines der demokratischsten Produkte von Inga Sempé: die Miniaturregale Balcon (Moustache). Runde Buchenholzplatten mit einer Wandschraube versehen, auf denen gerade Platz für einen Schlüsselbund oder ein Glas mit drei, vier Gänseblümchen ist. Da ist sie wieder, diese radikale Poesie der Inga Sempé.


Die ganze Geschichte über Inga Sempé lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des CI-Magazins.

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